Mein Alltag

Wie sieben Tage Regenwetter

Ich habe gerade eine Phase, in der ich nichts mit mir anzufangen weiß. Ich hänge in der Luft, weil die Finanzen nicht abschließend geklärt sind, mir hängt das Rumliegen und Nichtstun zum Hals raus, die Glotze könnt ich eintreten und meine Motivation für kleine Dinge wie Staubputzen o.Ä. hält sich massiv in Grenzen. Ich bin ausgelaugt, übel gelaunt und will mein altes Leben zurück. Die Schwierigkeit mit den HobbysMir wird so oft von irgendwem gesagt, ich könne ja dies und das machen. Ich könnte den ganzen Tag kochen, aufräumen, Wäsche waschen, Staubsaugen, einkaufen, mit dem Hund spielen. Alltägliche Dinge eben, die jeder irgendwo machen muss. Natürlich könnte ich das bei all meinen Freunden und Verwandten machen. So ungefähr 1-2 Stunden am Tag. Allerdings bleiben dann immer noch 14 Stunden (bei angenommenen 8 Stunden schlaf) Langeweile über, in denen ich nichts mit…

Akzeptieren lernen

Irgendwann kommt der Tag, an dem man nicht mehr weiter nach einer Heilung sucht. Man will nicht mehr von Arzt zu Arzt rennen um am Ende doch immer nur dieselbe Ratlosigkeit zu sehen. Du kommst dann an den Punkt, wo du ganz genau weißt: Das war’s. Hier ist die Reise (vorerst) zu Ende. Und dann fängst du an zu realisieren, dass du die nächsten (wenn’s gut läuft) 70 Jahre irgendwie mit dieser Krankheit und den Beeinträchtigungen leben musst. Du musst deine Situation akzeptieren. Andere bremsen Eine Schwierigkeit beim Akzeptieren seiner Krankheit ist die Tatsache, dass immer irgendwer irgendwo jemanden kennt, der schonmal sowas ähnliches hatte (Rückenschmerzen zum Beispiel) und dem der und der helfen konnte. Und du willst das alles gar nicht mehr hören. Du willst nicht Kontakt zu einem weiteren Arzt aufnehmen, deine Geschichte (die mittlerweile wahrscheinlich ein halbes…

Ob du behindert bist, hab’ ich gefragt!

Chronisch krank zu sein heißt irgendwo auch, dass man behindert ist. Es gibt unterschiedliche Abstufungen von Behinderung, den einen erwischt es mehr, den anderen weniger. Früher hörte man überall “Ich hab 50%!”, aber das ist heute sachlich falsch. Eine Behinderung wird nicht in Prozent angegeben, sondern in einem Punktesystem von 0-100 Punkten. Hat man 100 Punkte, gibt es keine Steigerung, auch wenn sich die Behinderungen mitunter gravierend steigern können. So kann es Menschen geben, die 100 Punkte haben, aber ein schmerzfreies Leben (natürlich mit gravierenden Einschränkungen in einigen Lebensbereichen) führen können. Wir unterscheiden zwischen behindert und schwerbehindert. Der feine Unterschied: Schwerbehindert Schwerbehindert gilt jeder, der mindestens 50 Punkte erreicht hat. Man spricht immer so darüber, dass man es dann ja gut hätte, Steuererleichterungen kriegt und sogar umsonst Bus und Bahn fahren darf (Was auch nur bedingt gilt). Aber sind wir…

Was bringt die Zukunft?

Ich wurde in meinem bisherigen Leben schon oft operiert. Mehrere Kreuzbandrisse, Meniskusentfernung, Bandscheibenvorfall, Chiari. Jedes Mal, wenn ich dachte, dass es das ja jetzt endlich mal gewesen sein müsste, kam die nächste Hiobsbotschaft und die nächste Operation. Mittlerweile 9 Mal. Ich war schlank, nahm zu, wurde wieder schlank, nahm wieder zu. Teilweise einfach nur durch den Mangel an Bewegung (weil es eben einfach nicht möglich war: Krücken, Korsett, starke Schmerzen) oder durch Medikamente (gesteigerter Appetit). Mein Körper hat eine ziemliche Achterbahnfahrt hinter sich und es scheint so, als wolle die Fahrt auch niemals enden. Rückschläge Vor einigen Tagen war ich mal wieder bei einem Radiologen und durfte zur Kontrolle in das MRT. Ich glaubte nicht daran, dass sich etwas zeigen würde, weil meine Schmerzen ja schon seit einem Jahr nahezu gleichbleibend sind. Aber zu meiner Verwunderung zeigte sich ein rezessiver…

Medikamente und Kontrollverlust

Bei Schmerzen nehmen wir oft Medikamente ohne auf die Nebenwirkungen zu achten. Man nimmt sie ja nicht lange. Chronische Schmerzen zeichnen sich nicht nur dadurch aus, dass man eben Schmerzen hat. Vielmehr ist man auch dazu gezwungen, die Schmerzen auf irgendeine Art und Weise zu kontrollieren. Manchmal klappt das schon mit einfacher Ablenkung. Oft muss aber eben ein Schmerzmittel her.Wovon reden wir hier überhaupt?Ich rede hier allerdings nicht von Schmerzmitteln wie Novalgin, welche direkt nach der Operation – meist als Tropf – verabreicht werden. Während meiner Kreuzbandrisse habe ich die Schmerzen oft durch hohe Dosen von Ibuprofen und Paracetamol unterdrückt. Das Tückische bei dieser Art von Schmerzmittel ist die Tatsache, dass sie nach wenigen Wochen an Wirkung verlieren. Zudem werden Leber und Nieren belastet und bei längerer Anwendung beschädigt. Da meine Kreuzbandrisse in zeitlich kurzen Abständen von ca. einem Jahr…

Leben lernen mit chronischen Schmerzen

Wenn man irgendwann akzeptiert hat, dass man nicht mehr “gesund” ist und dass die Schmerzen nie wieder ganz verschwinden werden, muss man sich unweigerlich mit seiner Zukunft beschäftigen. Ich habe mich vorwiegend mit folgenden Punkten auseinandergesetzt: 1. Ziele im Leben neu definieren Es ist unglaublich wichtig für sein Lebensgefühl und seine Psyche, Ziele im Leben zu haben. Für mich waren bisher immer Erfolg im Job, eine Familie gründen und ein wunderschönes Zuhause haben die größten und wichtigsten Ziele im Leben. Insbesondere letzteres hat viel mit der körperlichen Verfassung zu tun, wenn man als Handwerker viel Spaß an seiner Arbeit hat. Nachdem ich meine Krankheit akzeptiert habe, war mir auch bewusst, dass ich dieses Ziel nicht mehr so verfolgen kann, wie ich es gerne würde. Ich war traurig, dass ich mein Zuhause nicht mehr mit eigenen Händen bauen konnte, weil das…

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