Gastbeitrag: Anna

Hello, hello ­čśŐ┬á
Philipp fragte mich, ob ich nicht einen Gastbeitrag f├╝r seinen Blog schreiben m├Âchte, wie ich seine Krankheit erlebe, was mir durch den Kopf geht, wenn ich ihn leiden sehe. Ich wei├č noch nicht genau, in welche Richtung das hier geht, aber ich schreibe mal einfach runter, was mir so in den Kopf kommt.

Also erstmal: ich bin Anna und kenne Flip durch meine beste Freundin und seine Verlobte, Theresa. Die habe ich schon mein ganzes Leben an der Backe und ich werd‘ die einfach nicht los… ­čśâ
F├╝r mich ist sie Familie und als sie mit Flip um die Ecke kam, war nat├╝rlich klar, dass er nun auch quasi dazu geh├Ârt. Mit gehangen, mit gefangen, oder wie war das?

Ich erinnere mich ganz genau an die Zeit, als Philipp krank wurde. Die beiden waren im Urlaub an der Ostsee und ich war arbeiten, als Theresa mir eine ewig lange Sprachnachricht schickte, dass Philipp im Krankenhaus liegt. Und wie gesagt, Familie. Und Familie l├Ąsst man nicht allein. Von daher habe ich mir spontan den n├Ąchsten Tag frei genommen, hab‘ mich ins Auto geschwungen und bin fr├╝h morgens nach K├╝hlungsborn gefahren. Mit Philipp war das abgesprochen, nicht aber mit Theresa und so war die ├ťberraschung und das Geheule (sie, nicht ich ­čśâ) ziemlich gro├č, als ich pl├Âtzlich vor der Ferienwohnung stand.
Wir sind dann zusammen zum Krankenhaus gefahren und ich war, ehrlich gesagt, geschockt, wie gro├č seine Schmerzen offenbar waren. Flip hat versucht, es nicht vor seiner Verlobten zu zeigen, aber ich sa├č am Fu├čende vom Bett und konnte ihm die ganze Zeit ins Gesicht sehen, was er bei der kleinsten Bewegung vor Schmerzen verzog. Man war so unsicher, wie man mit der Situation umgehen soll, aber gleichzeitig zu dem Zeitpunkt nat├╝rlich auch noch optimistisch, dass das alles schon wieder gut werden wird.
Nachdem ich mit Theresa den Tag au├čerhalb des Krankenhauses verbracht hatte, damit sie auf andere Gedanken kommt, musste ich abends wieder heim, da ich nicht l├Ąnger Urlaub machen konnte.

Von da an begann eine Odyssee, mit der wahrscheinlich niemand jemals gerechnet hat. Vieles davon ist nat├╝rlich hier auf dem Blog nachzulesen. Aber es ist noch soo so viel mehr passiert, was man gar nicht alles in Worte fassen kann.

Ich bin eh schon immer viel bei den beiden gewesen, aber als dann Corona Lockdown war, hab‘ ich gef├╝hlt auf deren Sofa gewohnt (okay, das ist vielleicht ├╝bertrieben – aber jeden zweiten Tag war ich wohl schon da). So war ich nat├╝rlich nah dran, habe jede schlechte Nachricht, jede gute und schlechte Phase miterlebt, habe gesehen, wie es ihm immer schlechter ging, wie alles probiert wurde, aber nichts hilft und wie er teilweise zitternd von seiner Freundin ins Bett gebracht werden musste, weil er nicht mehr gehen konnte.
Was will man in so einer Situation machen? Mitleidig gucken? Hilft ihm auch nicht. Auch wenn man vor Mitleid fast vergeht, versteht mich nicht falsch. Einen dummen Witz machen? Galgenhumor? Ignorieren? „Ach, das wird schon alles wieder gut?“. Ich wei├č, dass das so nicht ist, er wei├č es auch. Damit ist also auch keinem geholfen.

Das Einzige, was ich machen kann, ist f├╝r die beiden da sein. Ich kann mit Theresa ├╝bers Wochenende einen St├Ądtetrip machen, auf Konzerte gehen oder mit ihr auf irgendwelche Partys gehen, damit sie mal wieder rauskommt. Ich kann auch mit Wilma spazieren gehen, wenn Theresa nicht da ist und Philipp nicht fit genug ist, um mit ihr Gassi zu gehen. Oder ich kann mich mit zu ihm aufs Sofa setzen, wenn er nicht mehr am Tisch sitzen kann. Ich kann d├Ąmliche Tipps geben, was er mit seiner ganzen Zeit jetzt so anfangen k├Ânnte und kann ihm helfen, seinen Camper von innen zu streichen. Es f├╝hlt sich nur nicht so an, als w├Ąre das genug. Man m├Âchte gerne viel mehr machen.

Ich habe in diesem ganzen Murks aber nat├╝rlich das Gl├╝ck, dass ich am Ende des Tages nach Hause gehen kann. Ich bin in der Lage, Pause davon zu haben, was Theresa und Flip nicht m├Âglich ist.
Aber selbstverst├Ąndlich hat man es immer im Kopf, nicht zuletzt nat├╝rlich, weil Freunde und Familie immer wieder fragen „Wie geht es Philipp? Wird das gar nicht mehr besser? Wie geht es Theresa damit? Kann man denn gar nichts machen?“. Leider sind die Antworten darauf immer dieselben.

Ich bin sehr optimistisch – ich glaube immer daran, dass am Ende alles gut wird. Und ich glaube auch fest daran, dass sich die Gesamtsituation wieder bessert, auch wenn das leider nicht hei├čt, dass es Philipp k├Ârperlich wieder gut geht. Aber das dieses ganze Theater drum herum, das kollektive Versagen von ├ämtern und Beh├Ârden, vielleicht irgendwann ein Ende hat, dass es nicht gef├╝hlt jede Woche eine neue Hiobsbotschaft gibt, die wieder alles auf den Kopf stellt.
Davon bin ich tats├Ąchlich fest ├╝berzeugt.

Und bis dahin mach ich wohl so weiter, wie bisher: bei den beiden auf dem Sofa sitzen, mich Bier-technisch durchschnorren, den Hund knuddeln und mit Flip ├╝ber die wichtigen Fragen zu diskutieren, zum Beispiel, ob Mewtu oder Mew das bessere Pok├ęmon ist. Offensichtlich Mew ├╝brigens.

 

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