Schmerzen

Ich habe bisher immer davon geschrieben, DASS ich Schmerzen habe, aber nie, WIE sich diese Schmerzen anfühlen. Jeder hat irgendwo eine Vorstellung davon, wie es mir in gewissen Situationen gehen könnte. Mal sieht man es an der Art und Weise, wie ich mich bewege, manchmal an meinem Gesichtsausdruck oder einfach, wenn ich es (ausnahmsweise) mal sage. Heute möchte ich darüber schreiben, wie sich meine Schmerzen im Detail anfühlen. Ich möchte erzählen, wie ich mich eigentlich fühle, wenn ich mal wieder rumblödel.

Der Dauerschmerz

Sobald ich aufstehe, habe ich einen Dauerschmerz in meinen Beinen. Dieser Schmerz ist dumpf, von Lendenwirbel bis in die Waden. Ein dumpfes Ziehen, was ich oft einigermaßen ausblenden kann. Zwar ist der Schmerz da, aber ich habe gelernt, damit zu leben. Man gewöhnt sich eben auch an Schmerzen, auch wenn Sie die Leistungsfähigkeit weiterhin stark einschränken. Ich kann diesen Schmerz natürlich nicht immer ausblenden und es gibt Tage, an denen der dumpfe Schmerz unerträglich in meinem Körper pulsiert. Ähnlich wie ein Pulsschlag gibt es dann starke und schwache Schmerzen, die sich aber sekündlich abwechseln. 

Der akute Belastungsschmerz

Wenn ich anfange zu gehen oder Übungen für die Stärkung der Muskulatur mache, kommen nach kurzer Zeit stechende Schmerzen im Lendenwirbelbereich hinzu, die in die Beine ausstrahlen. Dann ist es eher als wenn mit einer Nadel in den Eingeweiden rumgestochen wird. Je mehr ich mich bewege, desto schlimmer wird dieser Schmerz. Der dumpfe Dauerschmerz ist dann zwar immer noch da, aber er wird vollständig von diesem scharfen Stechen übertönt. Dieser Schmerz ist nicht pulsierend sondern hängt stark von der Bewegung ab. Erst, wenn ich mich wieder hinlege, wird aus dem dauerhaften Stechen ein pulsierendes Stechen. Das ist im ersten Moment sogar noch etwas schlimmer, weil man irgendwie verkrampft. Aber nach ein paar Minuten hört das dann auf und geht wieder in den dumpfen Schmerz über. Je nachdem, wie lange ich meinem Körper dem stechenden Schmerz ausgesetzt habe, sind die Schmerzen nach der Belastung aber viel intensiver. Dann hilft eigentlich nur noch schlafen.

Der Über-die-Grenze-Schmerz

Mein Körper hat eine klare Grenze, an der er mit den Schmerzen nicht mehr fertig wird. Diese Grenze äußert sich zunächst im Zucken der Beine oder Arme. Manchmal glaube ich, dass ich das Zucken steuern könnte und ich damit irgendwie etwas entlaste. Aber dann auch wieder nicht und ich zucke völlig automatisch, obwohl ich es nicht möchte. Es ist kein Zucken wie bei jemandem, der einen “Anfall” hat. Aber es ist für mich ein Zeichen, dass ich gleich über die Grenze trete. Und dann breitet sich der Schmerz im gesamten Körper aus. Das Stechen zieht den Rücken nach oben, es sticht in den Armen, die Muskulatur verkrampft, wird steinhart. An diesem Moment bricht mein Körper quasi zusammen, ich habe keine Kraft mehr zum Heben der Beine, ich benötige Hilfe beim An- und Ausziehen und ich kann mich auf gar nichts mehr konzentrieren. Der Schmerz hat dann die Oberhand gewonnen und meine Gedanken sind wie weg geblasen. 

Schmerzen der Muskulatur

Ihr kennt das sicher: Mal hat man eine falsche Bewegung gemacht, ist zu lange im Luftzug gestanden oder hat stundenlang auf seinem Arm geschlafen. Die Muskulatur blockiert dann, die Bewegungen tun weh. Dieser Zustand ist eigentlich in meiner Schulter- und Nackenpartie ständig da. Mal mehr, mal weniger. Ich bin verspannt, verkrampft. Durch die Nervenschmerzen schmerzt auch meine Muskulatur. Manchmal ist das sogar schlimmer als der Nervenschmerz. Physiotherapie hilft mir hier meist ganz gut, um die Blockaden der Muskulatur zu lösen, insbesondere das Schröpfen. Aber auch eine einfache Massage von meiner Verlobten bewirkt da manchmal Wunder, auch wenn sie das nie so recht glauben mag. 

Willkürliche Schmerzen

Interessanterweise habe ich oft für einen kurzen Moment willkürliche Schmerzen in meinem Körper. Diese Schmerzen dauern nur wenige Sekunden an, sind aber von ihrer Heftigkeit her nicht zu übertreffen. Es fühlt sich an, als würde einem einer einen rostigen Nagel in den Körper rammen. Ja, ich kenne den Vergleich, schließlich bin ich einmal auf einen rostigen Nagel drauf getreten. Diese Schmerzen entstehen an einer ganz beliebigen Stelle im Körper und sind nicht vorhersehbar. Aber dann lasse ich alles fallen, schließe kurz die Augen und muss irgendwie diesen Schmerz ertragen.

Erschöpfung

Es klingt vielleicht im ersten Moment so, als würde Erschöpfung nicht so ganz in das Schmerzbild passen. Aber für mich ist es so ähnlich. Wenn ich die Schmerzen zu lange ertragen habe, komme ich an einen Punkt, an dem ich vollkommen erschöpft bin. Mir fallen dann die Augen immer wieder zu, ich folge keinem Gespräch mehr, kann nicht Fernsehen oder sonst etwas. Diese Erschöpfung überkommt mich immer öfter am Tag. Mal zwei Stunden nach dem Aufstehen (wenn die Nacht mal wieder Scheiße war), mal Nachmittags, mal am frühen Abend. Jeder Tag ist da anders. Wenn ich so erschöpft bin, funktioniere ich nicht mehr. Mein Gehirn macht dicht, will nur noch schlafen und alles vergessen. 

Ruheschmerz

Wer jetzt denkt, dass im Liegen alles gut ist und ich keine Schmerzen mehr habe abgesehen vom Dauerschmerz, der irrt sich. Wenn ich einen anstrengenden Tag hatte, kann es passieren, dass die stechenden Schmerzen im Lendenwirbelbereich (mit Ziehen in die Beine) einfach ein paar Stunden da bleibt. Dann liege ich zwar, aber die Schmerzen sind trotzdem da. Jetzt könnte man meinen, dass ich dann ja drauf scheißen könnte und mich einfach bewege – Ätsch, alles schon probiert. Dann werden die Schmerzen nur noch unerträglicher und der Erschöpfungsmoment ist viel früher da. Okay, zugegeben, manchmal ist das auch positiv. Dann schlafe ich viel früher. 

Unerholsamer Schlaf

Die andauernden Schmerzen führen dazu, dass meine Muskulatur verkrampft und den ganzen Tag über abgespannt ist. Natürlich sind die Schmerzen nicht plötzlich weg, wenn ich die Augen zu mache. Das ist auch der Grund, warum Schlaf bei mir nicht erholsam ist. Selbst im schlaf bin ich zu angespannt, was sich negativ auf meine Muskulatur auswirkt. Mir wurde bei meinem letzten Impftermin gesagt, dass ich die Muskulatur locker lassen solle an der Stelle, wo ich destochen werde. Als ich dann locker gelassen habe, meinte die Ärztin erneut, ich solle locker lassen. Ich kann es also gar nicht mehr so richtig. Mein Körper ist in einer ständigen Anspannung.

Fazit

Jetzt mag es wieder den ein oder anderen geben, der mir CBD-Tropfen als Allheilmittel aufschwatzen möchte. Nicht selten wurde mir das jetzt schon gesagt. Genauso wie medizinisches Cannabis, das wäre doch für mich optimal. Und ja, ich werde das bestimmt irgendwann probieren. Aber ich kann nicht eine Vielzahl von Therapien gleichzeitig anfangen. Um eine Wirksamkeit nachweisen zu können, muss ich Schritt für Schritt vorgehen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich massive Angst davor habe, Medikamente zu nehmen, die weder langfristig erprobt sind (man also nicht weiß, was das mit einem irgendwann einmal macht, wenn man sie jeden Tag einnimmt) oder bei denen es so massive Nebenwirkungen gibt, dass ich weitere Medikamente nehmen muss, um diese Nebenwirkungen einzugrenzen. Ich verstehe wirklich jeden, der mir etwas empfehlen möchte (und wenn es nur eine wundervoll teure Salbe ist), aber ich muss das alles Schritt für Schritt machen. 

Schmerzen sind überaus komplex und jeder Mensch empfindet diese anders. Das Empfinden verändert sich auch mit der Zeit. Wo die dauerhaften Schmerzen irgendwann zur Normalität werden, so werden die plötzlich auftretenden Schmerzen irgendwann unerträglich. Gibt es eine Lösung hierfür? Eine Heilung? Leider nein. Ich kann nur lernen, damit umzugehen. 

2 Kommentare

  1. Ohje,
    Das kenne ich zu gut, bin 50 Jahre alt, habe Syringomyelie und noch andere Folgen nach schweren Frakturen. Meine Probleme sind jedoch im Bereich Thorax, Schulter, Nacken und Kopf. Unerträgliche Schmerzen, Tage ohne Lebensqualität und ebenfalls auf dem Rechtsweg

  2. Ups, da ist mir der Beitrag ab bevor er fertig war, ja der Rechtsweg ist steinig und schwer für Betroffene.
    Ich wünsche dir alles Gute und viele schöne Tage mit wenig Schmerz und Beeinträchtigungen. Der einzige halt ist die Familie wenn sie dann verstanden habe was das eigentlich ist und bedeutet. Hilfen an sonsten gibt es keine. Nicht bei uns. Weiterhin stark bleiben und Kopf hoch, aus dem schlechten das Beste machen und versuchen sich so zu organisieren das man das alles bewältigt 👍

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