Schwerbehindert

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Freiheit auf 4 Rädern

Bevor ich krank wurde, hätte ich niemals gedacht, dass man sich in seinem Körper gefangen fühlen kann. Wenn man seine Gliedmaßen nicht mehr so bewegen kann wie man das einst konnte, ist das ziemlich frustrierend. Und ich habe dabei noch Glück, denn ich kann sie noch bewegen.  Durch den Ausfall der Beine war ich immer mehr an mein Zuhause gebunden. Ein Besuch von einem Weinmarkt? Schützenfest? Weihnachtsmarkt? Geburtstag mit Stehparty? Ging nicht. Und selbst wenn ich irgendwo sitzen konnte, war der Stuhl meist so scheiße, dass ich keine 2 Stunden durchgehalten habe und von Minute 1 an nur den Schmerz im Kopf hatte. Irgendwann konnte man dann auch ziemlich gut an meinem Gesicht ablesen, dass es nicht mehr geht. Mit dem Rollstuhl hat sich das jetzt (teilweise) geändert. Ich fühle mich so frei, wie ich mich seit 3 Jahren nicht…

Vorurteile

Unsere Zivilisation ist leider geprägt von Vorurteilen, die größtenteils durch Unwissenheit oder – noch schlimmer – gefährlichem Halbwissen entstehen. Menschen verbinden Gesehenes mit dem oft dürftigem Wissen über solche Dinge und erlauben sich viel zu oft ein für sie abschließendes Urteil über diese Situation. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von „Ableismus“. Ich möchte heute mit einigen Vorurteilen aufräumen, die mir besonders wichtig sind. Warum sitzt der denn im Rollstuhl? Der kann doch noch gehen! Ein Rollstuhl ist dazu da, um einen Nachteil auszugleichen. Wenn jemand, wie ich, nicht lange stehen oder gehen kann, nimmt man eben dieses HIlfsmittel, um den Nachteil auszugleichen. Und glaubt mir: Das ist kein vollständiger Ausgleich, der einem gesunde Beine zurück gibt. Gleiches gilt auch für die Tatsache, dass bei fehlender Stabilität im unteren Rücken durch Bandscheibenvorfälle oder Arthrose das Sitzen auf herkömmlichen Stühlen oder…

3 Jahre

Heute sind es auf den Tag genau 3 Jahre, seit meine Erkrankung sichtbar wurde. 3 Jahre, in denen ich jeden Tag gegen Schmerzen und neurologische Ausfälle kämpfe. 3 Jahre, in denen ich mich von Behörden und Ärzten oft im Stich gelassen fühlte. Ich habe in diesen Jahren viel Schlechtes, aber auch viel Gutes erlebt. Aber ich musste auch erst lernen, dass die Erkrankung nicht das Ende vom Leben ist, sondern eben einfach ein neuer Teil davon. Rückhalt Ich hätte diese 3 Jahre niemals geschafft, wenn Thea nicht an meiner Seite wäre. Jedes Mal, wenn ich nicht mehr konnte, hat sie mir neue Kraft gegeben. Und als sich dann irgendwann herausgestellt hat, dass ich nicht mehr gesund werde, ist sie trotzdem bei mir geblieben. Das ist für mich alles andere als selbstverständlich und das größte Geschenk, was mir das Leben geben…

Tägliche Bewegung – auch wenn der Körper dabei schreit

Das ist Wilma, meine Physiotherapeutin mit der feuchten Nase. Wilma zwingt mich jeden Tag nach draußen, damit ich meine Beine gebrauche. Sie sorgt intensiv dafür, dass mir die Bewegungen nicht fremd werden und ich so das bisschen Muskulatur und Koordination erhalten kann, was ich jetzt noch habe. Wilma weiß genau, dass ich nicht immer viel mit ihr gehen oder spielen kann. Neuerdings geht sie auch mit Frauchen neben mir her, wenn ich mit dem Rollstuhl fahre. Das ist eigentlich bei allen längeren Strecken so. Bei der Bewegung ist die Strecke egal Es gibt Tage, da muss ich nach 200 gegangenen Metern umdrehen, weil ich es sonst mit Wilma nicht mehr schaffe. Aber es geht hierbei nicht im die gegangene Strecke, sondern darum, dass ich überhaupt gegangen bin. Ich lasse Wilma viel schnüffeln. Ich bleibe stehen und gehe weiter. Ich drehe…

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